Geschichte des Schulgartens

Schulgärten gibt es in Deutschland seit etwa 300 Jahren. August Hermann Francke legte 1695 eine der ersten dieser Einrichtungen in Halle an. Kenntnisse über Nutzpflanzen zu vermitteln war eine der wichtigsten Aufgaben von Schulgärten im 18. und 19. Jahrhundert. Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Bedeutung der Schulgärten für die weitgehend kognitiv ausgerichteten Bildungsziele bis Ende der 70er Jahre konstant ab. Mit Beginn der 80er Jahre kam es unter der Renaissance des ganzheitlichen Lernens zu einer neuen Blüte.

Ziele unserer Schulgartenarbeit

Heute wird der Schulgarten als ein "didaktisch aufbereiteter" Lernort gesehen, der nachhaltiges, fächerübergreifendes Lernen initiiert und fördert, sowie einen unschätzbaren Beitrag zur Umweltbildung bei Kindern, Jugendlichen und sogar Erwachsenen leisten kann (Birkenbeihl 1999).

Primäres Ziel der Rostocker Schulgarten Akademie (RoSA) ist, die Förderung der Handlungskompetenz im Bereich der Umweltbildung.

In den Städten lebende Schüler haben gar keine oder nur sehr geringe eigene Erfahrungen mit lebenden Tieren oder Pfanzen jenseits des "Stadtgrüns" und müssen auf sekundäre Erfahrungen und Quellen zurückgreifen. Es ist außerdem zu beobachten, dass bei vielen Menschen bei einer Begegnung mit bestimmten Tier- und Pflanzenarten positive oder negative Emotionen ausgelöst werden. Zwei Drittel aller Jugendlichen fühlen sich nicht wohl, wenn ihnen ein Käfer über die Hand krabbelt (Brämer 2006), Brennnesseln und Disteln beispielsweise werden häufig als hässlich bewertet (Staatsexamensarbeit J. Schelpeper 2007, Universität Rostock).

Für die Lehramtskandidaten des Faches Biologie in Mecklenburg-Vorpommern gab es, bis zu diesem Zeitpunkt, keine Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeit im Bereich "Schulgarten". Mitarbeiter der Biologiedidaktik führen im RoSA mit Studenten, Lehrern und Schülern gärtnerische Arbeiten durch. Im "Grünen Klassenzimmer" werden Theorie und Praxis verbunden. Eine Verbindung mit der Botanikschule wird ebenfalls angestrebt. Neben den praktischen Arbeiten sollen durch die enge Verzahnung mit Forschungsprojekten empirisch abgesicherte moderne Module entwickkelt werden. Darüber hinaus sollen Schulklassen beispielsweise in Form von Patenschaften in die Arbeit und Forschung einbezogen werden, so können Projekte wie z.B. bei "Jugend forscht" betreut werden.

Das Arbeiten im Schulgarten fördert die Gestaltungs-, Handlungs- und die Bewertungskompetenz der Teilnehmer. Zusätzlich unterstützt der Schulgarten darin, den Studenten/innen, Schüler/innen den Umgang und die Achtung vor der Natur beizubringen und macht sie für Umwelteinflüsse sensibler. Auf diese Weise erhoffen wir uns außerdem einen Beitrag zum Erhalt, der weltweit gefährdeten, Biodiversität zu leisten.